· 

Länger Arbeiten, geht das überhaupt? Klar geht das!

Im Wahlkampfjahr 2021 ist es einmal wieder so weit.
Etliche super Experten melden sich zu Wort und fordern etwas zur Rente. Die Einen wollen kürzertreten oder können körperlich nicht so lange arbeiten, die Anderen fordern ein späteres Renteneintrittsalter, weil die Lebenserwartungen und die Probleme der Finanzierung steigen.

 

Aber was ist Wirklichkeit an der Aussage "Ich kann doch gar nicht so lange körperlich durchhalten und deswegen wäre dies eine Rentenkürzung für mich"?

Auf die Ohren - Der Podcast dazu

Wie im Juni 2021 bekannt wurde, sollen die Kosten für die Rentenversicherung ab 2025 ins Unermessliche steigen. So stellte nicht nur die Rentenkommission, sondern auch die Berater des Wirtschaftsministeriums und natürtlich wie soll es auch anders sein das Insitut der deutschen Wirtschaft fest, dass die sogenannte aus steuern finanzierte Rentenrücklage bereits rund 23% des Bundeshaushaltes beträgt und bis 2040 auf bis zu 55% ansteigen könnte. Dass dieser Zustand ein unhaltbarer sein wird ist jedem klar, da auch andere Kosten vom Staat bezahlt werden müssen. Da die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung aber immer weiter ansteigt, steigen auch die Ausgaben der Rentenversicherung. Parallel sinken aber bis 2040 die Beitragszahler was zu einem Kollaps der Rentenversicherung führen könnte und meiner Meinung nach auch wird, weil der politische Wille fehlt.
Schauen wir uns das doch aber einmal ganz unabhängig an, was man tun könnte.
So bleiben mehrere Stellschrauben, um dem Finanzierungsproblem der Rente entgegenzuwirken:
a) Man lässt die Beitragszahler länger arbeiten (was nur die Arbeitnehmer beträfe)
b) Man hebt die Einnahmen an, also die Rentenbeiträge (was Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen beträfe)
c) Man kürzt die Leistungen, also das Rentenniveau (was nur Rentner beträfe)
d) Man löst eine Beitragsbemessungsgrenze auf, wodurch Rentenbeiträge aktuell nur bis   7.100€ mtl. Bruttoeinkommen angerechnet werden.
     (was Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen beträfe)

Wenn man dies so liest, wird man schnell darauf kommen, warum nun also immer wieder Wirtschaftsverbände für eine längere Arbeitszeit plädieren. Nämlich, weil andere, aber viel effektivere, Lösungen Arbeitgeber Geld kösten könnten.

Aktuell ist die gesetzliche Rente kein Grundeinkommen. Man muss sich also die Rentenansprüche für seinen Ruhestand selber über Einkommen erarbeiten oder durch private Absicherungen selbst finanzieren. Unabhängig in dieser Diskussion um das Renteneintrittsalter ist in meinen Augen dabei die Rentenhöhe, da dies eine andere Problematik darstellt.

Rente mit 68, statt mit 67

Mein Kommentar:  "Die Frage ist also, ob es wirklich eine volle Rentenkürzung darstellt oder nicht? Nein, bei Krankheit bzw. Erwerbsminderung ist es kaum spürbar."

Wenn Sie  als Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten und somit in die Rente einzahlen können, sichert zunächst Ihr Arbeitgeber 6 Wochen lang und danach die Krankenversicherung Ihre Rentenbeiträge maximal 72 Wochen lang ab. Sollten Sie dauerhaft erwerbsgemindert sein sichert dies die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ab, die Bestandteil der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Hier werden, auf Basis des Durchschnittsverdienstes der letzten beiden Berufsjahre vor der Erwerbsminderung, Rentenbeiträge nicht mehr nur noch bis 63 Jahre, sondern ab seit 2018 bis 65/67 weiter einbezahlt.
Übersetzt heißt dies: Die Höhe der letzten Renten-Beiträge wird eingefroren und für den Erwerbsgeminderten genau so weiter in die Rente eingezahlt, als ob er weiter arbeiten würde.
Mein Kommentar: "Nachteil bleibt weiterhin, dass dem Arbeitnehmer steigende Rentenbeiträge entgehen, wegen fehlenden Lohnsteigerungen.
Wäre hier also das Gesetz dazu nicht geändert worden, würde  hier sehr wohl eine Rentenkürzung um 4 Beitragsjahren vorgenommen. Nur wurde diese Lücke aber bereits 2018 durch den Gesetzgeber geschlossen."
Abschlagsfreie Rente ist auch mit 63 möglich, wenn man nicht mehr kann!
Ein weiterer Schutz der Altersrente steht im Sozialgesetzbuch 6-§263a. Dort ist fesgelegt, dass man wegen invalidität oder dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung wie Invalidität oder Schwerbehinderung auch schon  mit 63 Jahren die Altersrente beziehen darf und das ganz ohne Rentenkürzungen.
Das gilt aber leider nicht für jeden, sondern für Menschen die vor dem 01.01.1964 geboren sind und 35 Beitragsjahre zur Rente nachweisen können. Demnach hat aktuell derjenige der älter als 56 Jahre und derart körperlich eingeschränkt ist, keinen bis sehr geringen Rentenverlust bei einem Jahr länger Arbeiten bis 68.
Auch wirklich keine Nachteile bei der Rente mit 70 oder später?
Mein Kommentar:  "Anders sähe das aber aus, wenn die Rente mit 70 käme und man dennoch bei körperlich beeinträchtigten die Rentenansprüche nur bis 65/67 weiter angerechnet.
Dies würde dann in der Tat eine erste größere Rentenlücke und somit indirekte Rentenkürzung bei jenen hervorrufen, weil sie keine andere Wahl haben selbst wenn sie wollten."
"Ich kann doch gar nicht so lange arbeiten", ist nicht das Problem sondern die Gesellschaft ist es!

Ein weiteres Problem ist meines Erachtens, dass viele an nur der einen beruflichen Tätigkeit krampfhaft festhalten und gar nicht bereit sind sich umschulen zu lassen. Bzw. sich eine Umschulung aufgrund der Lebensbedingungen teilweise auch gar nicht finanziell erlauben können, was natürlich auch mit der Angst vor künftig geringeren Verdienstmöglichkeiten im Alter einhergeht. Aber auch hier sollte man wissen, dass bei Arbeitslosigkeit Rentenbeitrage weiter bezahlt werden.

Falsche Anerkennung älterer Fachkräfte

Auch erhält man diese gesetzliche Erwerbsminderungsrente hier in Deutschland nicht einfach so, wenn man gleich erkrankt ist. Meiner Erfahrung nach müssen Sie erheblich beeinträchtigt sein und schon fast den Kopf unter dem Arm tragen, bis Ihnen ein Amtsarzt überhaupt diese Erwerbsminderungsrente zugesteht.

Das fürht auf der einen Seite dazu, dass Sie nicht erwerbsgemindert sind. Und auf der anderen Seite dazu, dass Sie Arbeitgeber wegen körperlichen Beeinträchtigungen ablehnen. Und genau dieser Kampf, das Betteln um soziale Leistungen oder Arbeit im Alter versetzt viele in den Irrglauben, dass hier für ihm Rentenkürzungen bei einem späteren Renteneintrittsalter widerfahren.

Und für jene die keiner mehr keiner mehr will im Alter?

Dennoch gibt es Arbeitnehmer die körperlich nicht beeinträchtig sind, die aber dennoch nicht mehr am Arbeitsmarkt erwünscht sind.

Für Sie wäre es in der Tat eine Rentenkürzung, da Sie weniger Leistugnen vom Staat noch Arbeit erhalten. Aber wie sähe diese Lücke aus, die überwiegend Geringverdiener treffen?

Nehmen wir an, man verdient 45 Jahre (also bis 67) 1.900€ brutto im Schnitt, was 769€ Rente ergäbe.

Bekommen wird er aber dennoch mind. 950€ Grundrente für 35 Jahre + 174€ Altersrente für weitere 5 Berufsjahre, macht 1.124€ Rente im Alter.

Was hätte er verloren bei einm Jahr - durch Renteneintritt mit 68?

Ihm würden ganze 17€ an Rente monatllich fehlen, was er dafür aber auch mit 17€ weniger im Alter versteuern muss.

Dies ist netto, also nach Abzug der Steuern, kein wirklich spürbarer Verlust im Alter. Für Menschen die allerdings von Armut betroffen sind wird es unangehem sein. Wobei es aber immernoch eine zusätzliche Grundsicherung vom Amt gibt, wenn die Rente dennoch nicht die Lebenshaltungskosten deckt.

Was hätte er verloren bei einm Jahr - durch Renteneintritt mit 70?

Hier würden mittlerweile 51€ im Monat fehlen, was einen spürbaren negativen Effekt an Lebenqualität für von Armut bedrohte Renter bedeuten würde.

Und in der Tat ist dieses, gesellschaftliche aber nicht Rentenproblem, eine indirekre Rentenkürzung, weil Ihnen keine andere Wahl gelassen wird.
Viele andere Probleme also, die mit einem späteren Renteneintrittsalter einhergehen, die aber fast alle NICHT mit der körperlichen Abhängigkeit von Arbeit zu tun haben. Denn der Schutz bei körperlicher Beeinträchtigung zu arbeiten ist entweder über die Sozialgesetzbücher abgesichert oder Tarifverträge wie bei Piloten oder Dachdeckern sorgen für vorzeitigen gesicherten Ruhestand oder soziale Altersteilzeitmodelle bis zur eigentlichen gesetzlichen Rente.


Fazit:

Eine Rente mit 68 wäre noch möglich, löst aber keines Wegs nur ansatzweise die Probleme der Rente. Das sind Finten politischer Angsthasen, welche den Weg des geringsten Wiederstandes bei der Reformierung des Rentnensystems gehen wollen.

Alternativlos bleibt daher auch weiterhin eine private Vorsorge im Bereich der Berufsunfähigkeit, auch wenn ihr Ruf schlechter ist als die über 80% ausgezahlten Leistungsfälle, und der betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, da immer mehr Vorsorge unmittelbar von weiteren Missetaten in der Politik abhängig ist.