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Das Grundrenten-Schreckgespenst ist frei

Hoffentlich orientieren Sie sich nicht am Bild, wegen der neuen Grundrente. Der Schreck kommt erst mit den ersten Rentenbescheiden ab Juli 2022.

75€ mehr soll es im Durchschnitt geben.

Die ersten Bescheide zur Grundrente werden, jetzt 2021, ab Juli versandt. Sie tritt deswegen später in Kraft, weil sie schneller eingeführt wurde als man hinterher kam.
Aber bitte bitte verlassen Sie sich jetzt nicht auf die Grundrente alleine, denn so heißt es aus dem Bundesministerium für Arbeit unter Hubertus Heil (SPD):
"... Werden Rentner durchschnittlich 75€ mehr Rente erhalten..."

 

Das wichtigste Wichtig vorab:

Die Grundrente ist ein Baustein Ihrer späteren Gesamtrente, die sich auch z.B. aus der Mütterrente zusammensetzt.

Bedeutet, die Grundrente erhöht nur die Rentenansprüche der ersten 35 Jahre. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Zur Erklärung warum:
Es ist so, dass nur die Rentenpunkte der ersten 35 Berufsjahre verdoppelt werden, maximal bis 0,8EP, was 957,32€ Rente für 35 Jahre garantieren soll
Da der Rentenwert (aktuell 34,19€) jährlich steigt, steigt so auch parallel die Grundrente, weshalb sie aber leider im Osten noch geringer ausfällt bis ca. 2025.
Achtung: Dies bedeutet für einige Rentner mehr Geld, indem die Grundrente automatisch überwiesen wird.
Leistungen vom Amt für Rentner müssen aber dennoch weiterhin beantragt werden mit einer Bedürftigkeitsprüfung, wenn Sie mehr Geld für Miete und Essen benötigen.


Achtung - Steuerpflicht droht mit einer Grundrente
Wer also nicht mehr als 35 Rentenjahre nachweisen kann, dem wird eine Steuerpflicht erspart bleiben. Die letzten Jahre Ihrer Berufszeit, 36-45 Jahre, bleiben dabei aber auch erhalten. Da die Grundrente nur für Rentenbezüge unterhalb 1.250€ mtl. zugestanden wird, kommen mathematisch maximal rund 250€ Rente zur Grundrente hinzu. Womit man gesamt bei einer Jahresrente von 14.484€ läge. Das führt deswegen aber noch nicht zu einer Steuerpflicht, da Sie nicht alles versteuern müssen (in 2022 nur 82%) und es zusätzlich Freibeträge gibt. Obwohl Sie damit schon sehr gefährlich nah an 9.984€ (Steuer-Grundfreibetrag/Existenzminimum 2021) sind.

 

Achtung: Dies gilt auch bei der Grundsicherung im Alter!

Reicht Ihnen die Rente also dennoch nicht aus, müssen Sie Grundsicherung hinzu beantragen. Bei dieser Grundsicherung gilt seit 2017 das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz. Seit 2017 erhalten Empfänger von der Grundsicherung im Alter einen Freibetrag für Ihre Altersvorsorge, die mit einem gewissen Anteil nicht mehr mit der Alterssicherung vom Amt verrechnet wird.

Das bedeutet, wenn Sie zu der Grundrente also weitere Hilfen beantragen müssen, wird ein Teil der Altersvorsorge übrig bleiben und der gesetzlichen Rente und somit der Steuer hinzugerechnet. Dieser Punkt macht das ganz zu einem unsozialen Schreckgespenst für mich als Berater, da dies eine besonders komplexe und systemübergreifende Finte der Regierung ist. Denn, Sie können nicht mehr frei wählen zwischen zu versteuernder Grundrente oder steuerfreier Grundsicherung im Alter und werden so in eine Steuerpflicht regelrecht gezwungen.


Besitzen Sie also zu diesem Zeitpunkt auch noch eine Riester Rente oder betriebliche Altersvorsorge, die beide mit versteuert werden, sollten Sie dringend eine Steuererklärung abgeben, weil sie in die Steuerpflicht rutschen können, sonst begehen Sie Steuerhinterziehung was eine Straftat darstellt, obwohl die Grundsicherung im Alter ohne Grundrente steuerfrei wäre.

Und wenn Bestandsrentner jetzt keine Steuern zahlen müssen, weil aktuell nur 82% der Rente zu versteuern sind, heißt das noch lange nicht das künftig NEU-Rentner (welche mit Rentenbeginn mit einem immer höheren Anteil jährlich +1% bis 2040) die Rente versteuern müssen.